Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

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Küppi
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Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon Küppi » 26.10.2011, 01:20

Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer – wie sieht die Kostenbilanz aus?

Auf den ersten Blick scheint die Sache ziemlich klar zu sein. Ein großer Roller füttert den Steuersäckel praller, die Assekuranzen wollen mehr abbuchen und der Tankwart grüßt auch freundlicher. Beim netten Motorradhändler des Vertrauens wird dann für neue Pneus oder den fälligen Varioriemen ebenfalls ein größerer Betrag über die Theke geschoben. Fällt der Roller zwei, drei Nummern kleiner aus, wird die Geldbörse in allen genannten Fällen weniger gerupft. Das ist eigentlich Standardwissen.

Was ist aber, wenn man mit dem kleineren Gefährt wesentlich häufigere und viel umfangreichere Inspektionstermine zu absolvieren muss. Beispielsweise weil sechsmal infolge Verkleidungsteile demontiert werden müssen, der Ventildeckel herunter und die Fühlerlehre gezückt, bis das an der Großen überhaupt zum ersten mal fällig wird. Oder war da nicht noch etwas mit der Drehzahl und der Kolbengeschwindigkeit? Legt das kleine Kölbchen auf der gleichen Wegstrecke nicht zwei-, drei- oder sonst wievielmal mehr Kilometer im Zylinder zurück wie der große Stampfer. Müsste man mal genau nachrechnen. Auf der Autobahn nähert sich bei einer 125er der Drehzahlmesser dem fünfstelligen Bereich. Die 600er fährt lässig hinterher mit einer Drehzahl, bei der für die Kleine gerade mal das Anfahren beginnt. Der kleine Triebling hört sich mit 50.000 km vielleicht schon nach chronischem Asthma an, während der große Twin mit 150.000 km noch kerngesund klingt. So oder ähnlich könnten manche Gedankengänge verlaufen. Und wie sieht die Wirklichkeit aus?

Ich selbst hatte damals bei dem Kauf meiner fast neuwertigen Honda S-Wing 125 auch die Anschaffung einer gleichpreisigen, eben entsprechend gebrauchten Silver-Wing 600 zumindest angedacht. Im Endeffekt habe ich mich dann doch mit der kleinen Lösung beschieden, in der Hoffnung auf dauerhaft geringe Unterhaltungskosten. Bei den Recherchen zu den Wartungskosten meiner S-Wing (s. entsprechenden Bericht) musste ich dann feststellen, dass mir die S-Wing auf 24.000 km insgesamt 20,5 Std. Inspektionskosten abverlangen würde. Eine zum Vergleich in Betracht gezogene Silver-Wing über die gleiche Strecke gerade mal nur 10,1 Std.* Es wäre jetzt bestimmt falsch, allein diese Tatsache so einzuordnen, dass dieser Punkt die ganzen anderen höheren Kosten kompensieren würde. Aber vielleicht kann die Silver-Wing mit ihrer robusten Konstruktion, bei der bestimmt manche Komponenten auch für das sogenannte ewige Leben dimensioniert sind, mit vielen verschleißfreien Kilometern punkten (ausnehmlich Reifen, Varioriemen, Bremsen) und mit einer langen schrauberfreien Zeit glänzen.

Also einfach nur blauäugig ich bin in dieser Hinsicht nun bestimmt nicht, - dafür habe ich schon genügend große Zweiräder gefahren. Aber bei einem solch kleinen quirligen 125er Antrieb macht man sich schon hin und wieder Gedanken um die mechanische Gesundheit, möchte das filigrane Motörchen nicht an die Grenzen treiben, kommt dementsprechend noch etwas zäher vom Fleck. Andererseits wäre es für mich auch nicht uninteressant, mal zu erproben, wie lange so etwas bei guter Pflege hält. Also auch positive Berichte in dieser Richtung wären interessant.

Jedenfalls ist das Thema – „Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer – wie sieht die Kostenbilanz aus?“ – doch bestimmt etwas, wozu viele eine Meinung oder Erfahrung beitragen können. Und wie gesagt – es geht um die Fakten Kosten und Zuverlässigkeit. Dass große Tiere mehr Spaß bereiten, kann man als bekannt voraussetzen.

Hier wurden zwei Honda-Modelle beispielhaft erwähnt, das Thema ist natürlich markenneutral.

Gruß Küppi

* Quelle: Kleinjung-Website (hier schon verlinkt unter „Technische Datenblätter Honda“). Angaben ohne Gewähr.

Plexi

Re: Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon Plexi » 26.10.2011, 05:31

gute gedanken.
ich für mich möchte etwas weiter gehen.
es ist nicht nur eine kalgulation des bikes. sondern geht es weit darüber hinaus.
man betrachte die mathematischen berechungen welche rollerfan so wärend der fahrt so bewegen. spass beiseite.... in anbetracht gestriger gesendeten studie, dass fleisch in 30 jahren nur noch von der oberen kaste zu bezahlen ist, oder im preisverhältnis zu afrika wir schon heute für einen leib brot 30 € bezahlen müssten, ich für sage und schreibe, für eine tasse kaffee in einer gaststätte, einen kunden 24 nächte mit einer zeitung beliefere..... usw. man sich schon gedanken machen sollte, was ist sinnvol und was nicht. markenunabhängigkeit ist gut. denn denke ich an die fehlerquote der materialien, wo man sicherlich bei keinem mehr drinne steckt.
abgesehen von den anschaffungspreisen. rechnung hin oder her. schlussendlich setzt sich jeder selbst die prioritäten. was ist für den einzelnen bezahlbar? welchen luxus will man sich leisten. aber auch.... wo muss ich im falle so oder so abstriche machen wenn.... ?
aber was ist denn heutzutage noch sinnvoll? diese frage wäre wieder etwas für einstein. ist mein teleskop sinnvoll? nein! mit sicherheit nicht. das war mir klar! deswegen bin ich 14 tage durchs web gesurft, viel gelesen, preise verglichen preisleistungen verglichen. ich wollte ein leistungsfähiges gerät für ein günstiges geld. also in der mitte gelandet. halte die goldene mitte noch immer für eine gute faustregel.
fg Plexi

ts1
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Re: Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon ts1 » 26.10.2011, 10:02

Küppi hat geschrieben:Oder war da nicht noch etwas mit der Drehzahl und der Kolbengeschwindigkeit? Legt das kleine Kölbchen auf der gleichen Wegstrecke nicht zwei-, drei- oder sonst wievielmal mehr Kilometer im Zylinder zurück wie der große Stampfer.
Da kann ich Dich beruhigen: Der Kolben des Kleinen legt nicht unbedingt mehr Weg zurück.
Und für den Verschleiß ist v.a. die Kolbengeschwindigkeit verantwortlich, die bringt nicht nur Reibung, sondern v.a. astronomische Massenträgheitskräfte.
In Lagerschalen und Ventiltrieb wieder andere Größenverhältnissen und Voraussetzungen, aber mangels öffentlichen Daten schwer zu vergleichen.

Zurück zur (mittleren) Kolbengeschwindigkeit, hier sogar ungünstig für den kleinen Langhuber vs. großen extremen Kurzhuber:
Mein Doodo 125 hat 54.8 mm Hub (53.7mm Bohrung) und eine Nenndrehzahl von 9000U/min. Macht 16.44m/s.
Mein Xciting 500 hat 75.0 mm (92mm Bohrung) und 7500 U/min. Macht 18.75m/s.
Nur wenn der Kleine auf Nenndrehzahl ist und der Große dabei nur gemütlich cruist, dreht sich das Bild: Mein 125er braucht für sein absolutes Limit bei 97km/h ca. 9500U/min (->17,4m/s), der 500er 6000U/min (->15m/s).
MfG
Thomas

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Re: Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon Cooler Humanist » 26.10.2011, 11:55

Hi Küppi, die Frage stellen, für mich persönlich in dem Fall wäre sie schon beantwortet. Man lebt nur einmal, und wenn ich den A Verführerschein hätte, größer ist schöner, ist besser, hat vor allem mehr Suveränität. Die paar Zusatzeuros gehen doch nur den Erben flöten, mir doch nicht. Bei dir kann natürlich die Situation wieder anders sein, dann rechnet man vernünftig, was ja auch richtig ist. Dann ist die Antwort nicht mehr ganz so leicht.

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Re: Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon Küppi » 26.10.2011, 13:07

Hallo ts1

In „Scooter & Sport“ wurde unlängst unter Tech Talk – Thema: Triebwerksdaten – im Schlussabsatz eine interessante Rechnung aufgemacht. Demnach würde bei einem 400er Triebwerk bei 50.000 km Vollgasfahrt der Kolben 23.600 km im Zylinder zurücklegen. Bei einem 50er würde der Kolben bei gleicher Wegstrecke jedoch 43.000 km hinter sich bringen. Angefügt wurde die Schlussfolgerung – kein Wunder, dass kleine Motoren eher verschleißen. Nachzulesen in Ausgabe Sep./Okt. 5/2011, Seite 62/63. Ist die Berechnung korrekt? Und wie sieht’s beispielsweise bei 125 kontra 600 ccm aus – vor allem wenn die Kleine Vollgas fährt und die Große nur halbe Drehzahl?

Gruß Küppi

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Re: Großer Gebrauchter oder kleiner Neuer

Beitragvon ts1 » 26.10.2011, 13:38

Früher hatte ich einen 50ccm China-Baumarktroller. 41mm Hub, 7500U/min Nenndrehzahl und (entdrosselt) 58km/h auf dem GPS-Navi (mangels Drehzahlmesser weiß ich aber die zugehörige Drehzahl nicht). 41mm und 7500U/min ergeben 10.25m/s.
50tkm mit 45km/h und dabei 41mm und 7500U/min würde genau 41tkm Kolbenweg ergeben. Die Zeitschrift rechnet wohl korrekt, halt mit leicht anderen Ausgangsdaten.
Aber die gesamte Kolbenwegstrecke ist nicht alles. 200m gehen ist nicht zwangsläufig kräftezehrender als ein 100m Sprint.
Und wer kann schon sagen, ob ein 1500€ 50ccm Roller mit der gleichen Materialqualität und Sorgfalt hergestellt wurde wie ein 6000€ 400ccm Roller?
Imho sterben Fahrzeuge normalerweise nicht wegen (der Belastung) des Motors, sondern durch Ausfall irgendwelcher Nebenaggregate (z.B. Wasserpumnpe) oder menschlicher Nachlässigkeit (z.B. Ölstand).

Ein Seitenblick zur Formel1: 300ccm Zylinder und extrem kurzhubig. 2.5-fache Drehzahl (und fast auch entsprechender Kolbengeschwindigkeit) wie beim Maxi-Roller, aber auch 2.5-fache Höchstgeschwindigkeit (je nach aktueller Übersetzung und Flügelstellung). Von 50tkm können die aber nur träumen.
MfG
Thomas


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