Technik-Tipps für den YAMAHA XC 180 Cygnus

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Technik-Tipps für den YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon mopedfreund » 20.02.2015, 15:59

Moin,

von mir an dieser Stelle einige ausgesuchte Tipps zur Renovierung eines XC 180 Cygnus, gewonnen aus selbstgemachten Erfahrungen.

Für diejenigen, die noch immer nicht wissen, wie das Ding aussieht, hier nochmals ein aktuelles Foto dieses Rollermodells ...

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Weiter geht's mit den Tipps und eigenen Titeln, beginnend mit der Vergaser-Renovierung ...

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Vergaser-Reinigung

Beitragvon mopedfreund » 20.02.2015, 16:12

Der XC 180 Cygnus besitzt einen Mikuni-Vergaser BS 28 mit der Kennzeichnung 26 K 00. Dieser Vergaser arbeitet mit einer Kaltstart-Anreicherung und einer zusätzlichen Gemischregulierung bei "Gaswegnahme". Diese Gemischsteuerungen werden über 10 (zehn!) mit dem Vergaser verbundene Schläuche, zwei Magnetventile, ein Bimetall-Ventil und eine Elektronik-Box gesteuert.

Wegen dieses komplexen Gemischaufbereitungssystems reagiert der Vergaser und sein Schlauch- und Ventilsystem sehr empfindlich auf Verschmutzungen oder Undichtigkeiten. Fehler sind hier nur sehr schwer zu lokalisieren. Im Zweifelsfall ist der Vergaser am besten vollständig zu zerlegen, zu reinigen und wieder zu montieren. Für meinen renovierten Cygnus-Roller names Horst, den ich bislang wegen Probleme mit der Gemischaufbereitung partout nicht ans Laufen bringen konnte, stand deshalb der Austausch des Vergasers an, da eine "einfache" Reinigung des eingebauten Vergasers nicht erfolgreich war.

Das Reinigungsobjekt war ein gebrauchter Vergaser (von Hannelores verstorbenem Bruder) aus meinem Ersatzteilbestand, der zuerst einmal von außen mit Bremsenreiniger sowie Zahnbürste und hartem Pinsel gründlich vorgereinigt wurde. Nach dem Trennen des Schwimmerkammergehäuses und Ausbau der Membraneinheit wurde der Vergaser in alle seine Bestandteile zerlegt und mit einem Vergaserreiniger auch innen intensiv vorgereinigt. Am Boden der Schwimmerkammer hatte sich eine ca. 1 bis 2 mm dicke klebrige Schicht von Kraftstoffrückständen gebildet, die an getrocknetem Grafschafter Goldsaft (Zuckerrübensirup) erinnerte. Diese Rückstände wurden mit kleinen Holzschabern oder Schraubendreherklingen nach Anlösung mit dem Vergaserreiniger vorsichtigt entfernt. Die Schwimmernadel konnte zudem nur mit Gewalt aus ihrem Sitz gezogen werden und wurde dadurch unbrauchbar, ebenso einge festsitzende Düsen. Die Drosselklappenwelle saß fest, die Drosselklappe ließ sich nicht drehen und musste nach dem Auftrag und kurzen Einwirken von Sprühöl vorsichtig gangbar gemacht werden.

Das Vergasergehäuse und alle demontierten Vergaserteile wurden anschließend ca. 30 min. in einem Ultraschallreinigungsbad gereinigt. Als Reiniger wurde eine auf ca. 50 Grad C erwärmte Reinigungslösung Tickopur R 33 benutzt. Das Reinigungsergebnis sah dann so aus ...

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Die linke Seite des gereinigten Mikuni-Vergasers

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Die rechte Seite des Vergasers

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Der Vergaser-Eingang (Luftseite)

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Der Vergaser-Ausgang (Gemischseite) mit Drosselklappe

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Die gereinigte Schwimmerkammer von unten

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Innenansicht der Schwimmerkammer: Zwischen den Öffnungen 1 und 2 besteht eine nur 0,3 mm dünne Verbindungsbohrung, die zwingend frei sein (versuchsweise Durchblasen!) und bei Verstopfung mit einem 0,3 mm dicken Federdraht durchstoßen werden muss!

Alle Teile wurden nach der Entnahme aus dem Reinigungsbad in Leitungswasser ausgewaschen, mit Druckluft ab- bzw. ausgeblasen und in der Sommersonne getrocknet. Für Letzteres empfiehlt sich in den kälteren Jahreszeiten ein auf 50 Grad C erhitzter Backofen.

Das positive Reinigungsergebnis ähnelt Vergaserteilen im Neuzustand. Die Düsen, die nicht ersetzt werden sollten, wurden mit einer Düsenlehre in ihrem Durchmesser überprüft.

Als Ersatz wurden folgende Neuteile beschafft ...

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Neuteile (v.l.): Hauptdüse, Leerlaufdüse, Schwimmernadel mit Sitz, Leerlauf-Luftschraube

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Die vormontierte Leerlauf-Luftschraube

Die im Bild gezeigten raren Neuteile sind zwar aus Messing, das aber nicht zufällig eine goldähnliche Farbe hat: Der Rechnungsbetrag für die beiden Düsen, die Schwimmernadel mit Sitz und Sieb und die Leerlauf-Luftschraube mit Federchen, U-Scheibe und O-Ring-Dichtung beläuft sich auf knapp 150 Euro (inkl. Versand und 21% niederländische Mehrwertsteuer)! Die Teile stammen von CMSNL, einem niederländischen Spezialisten für abgekündigte japanische Zweirad-Ersatzteile.

Mit diesen gereinigten und neuen Teilen kann nun die Montage des Vergasers in Angriff genommen werden ...

(Fortsetzung folgt)

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Vergaser-Montage

Beitragvon mopedfreund » 20.02.2015, 16:37

Hier zur Übersicht die Explosionszeichnung des Vergasers ...

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Der Vergaser wird einfach in umgekehrter Reihenfolge der Demontage wieder zusammengefügt ...

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Montage der Anbauteile an der Schwimmerkammer: Die Membran und Feder der Kaltstart-Anreicherung werden eingesetzt (oben) und deren Deckel und der Thermoschalter am Gehäuse verschraubt (unten)

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Oben im Vergaser wird die Leerlauf-Luftschraube (links) und die Luftdüse (Mitte, unten) eingeschraubt, später dann die große Membraneinheit mit der Nadel sowie Feder und Deckel montiert

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Von unten werden in den Vergaser die Leerlaufdüse (links), die Hauptdüse (Mitte) und der Sitz der Schwimmernadel (rechts) eingesteckt und verschraubt ...

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... als auch der Schwimmer mit der an ihm befestigten Nadel montiert

Wenn dann das Schwimmergehäuse unter den Vergaser geschraubt ist, sieht die ganze Sache so aus ...

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Der fertig montierte, gereinigte Vergaser von rechts betrachtet, ...

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... und seine linke Seite

Das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?

Weiter geht's mit dem Einbau des Vergasers, der im Scooter dann ordentlich funktionieren wird, hofft ...

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(Fortsetzung folgt)

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Vergaser-Schlauchverbindungen

Beitragvon mopedfreund » 20.02.2015, 16:52

10 Vergaserschläuche sind bei der Montage des Vergasers wieder richtig und gasdicht anzustecken. Einen Eindruck, wie eng und unübersichtlich es dabei am Vergaser zugeht, gibt dieses Foto ...

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Das Foto zeigt auch an diesem Roller-Triebwerk das Problem, dass der Verbindungsschlauch vom Luftfilterkasten nicht vollständig auf den Flansch des Vergaser-Eingangs aufgesteckt werden kann (im roten Kreis), da er anscheinend hier etwas zu kurz ist (altersbedingte Schrumpfung?).

Wo die zahlreichen losen Schlauchenden nach der Fixierung des Vergasers mit Schlauchschellen am Luftfilter-Verbinder und Ansaugkrümmer nun fehlerfrei wieder aufgesteckt werden müssen, zeigen die für die jeweilige Funktion eigens gekennzeichneten Schlauchführungspläne (hose routing diagrams) auf dieser englischsprachigen Website. Eine Vertauschung der Schläuche sollte mit dieser Hilfestellung dann eigentlich ausgeschlossen sein. Hier ein Beispiel eines solchen Schlauchführungsplans ...

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(Fortsetzung folgt)

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Die Variomatik-Bauteile des YAMAHA XC 180 Cygnus (1)

Beitragvon mopedfreund » 27.02.2015, 21:27

Der YAMAHA XC 180 Cygnus war 1983 der erste japanische Viertakt-Großroller in seiner Hubraumklasse mit Variomatik und Hydrostößel und galt damals als der legitime Nachfolger des Heinkel Tourist, der als letzter Typ 103 A2 seit 1965 nicht mehr gebaut wurde. Zwischen 1965 und 1983 gab es keinerlei große Viertakt-Roller am Markt, sondern ausschließlich die Vespa-Zweitakter bis 200 ccm. Der erste große Honda-Scooter erschien mit dem Elite CH 250 (mit dem identischen Motor des späteren, erfolgreichen Sofarollers Helix CN 250) erst knapp zwei Jahre später.

In Europa hatte die niederländische Firma DAF jahrzehntelange Erfahrungen mit der Variomatik in ihren Automatik-Fahrzeugen DAF 600 und später DAF 66, das nach Übernahme durch Volvo als Volvo 66 und - überarbeitet - als Volvo 340 bis in die späten 1980er Jahre produziert und angeboten wurde. Die damals neuartige Variomatik des XC 180 gab es in keinem Vorgängermodell. Wie auch bei anderen Zweirad-Herstellern in Japan lagen bei YAMAHA keinerlei Erfahrungen mit dieser Getriebeart vor.

Die Variomatik des großen Cygnus war daher eine komplette Neuentwicklung. So ergab es sich, dass die Maße der verwendeten Gleitrollen und Gleitstücke als auch die Formgebung der Gleitbahnen und die funktionale Dimensionierung der Variomatikscheiben und des Antriebsriemens ohne eine mögliche Orientierung an standfeste Wettbewerbermodelle von den YAMAHA-Ingenieuren nach damalig "bestem Wissen" festgelegt wurden. Alle späteren Scootermodelle erhielten Variomatik-Bauteile mit stark abweichenden Dimensionen.

Heute ist Ersatz für die XC-Variomatik-Bauteile kaum mehr zu bekommen. Alternative Quellen wie bspw. Athena bieten aufgrund der unüblichen Variomatik-Dimensionen keine Nachfertigungen für den in vergleichsweise kleinen Stückzahlen in Deutschland verkauften XC 180 an. Originalteile von YAMAHA sind ebenfalls größtenteils nicht mehr erhältlich, mit Ausnahme des anscheinend neu aufgelegten Antriebzahnriemens, den es auf Bestellung für knapp EUR 120,- wieder beim YAMAHA-Händler um die Ecke gibt.

Ebenso sind die originalen acht(!) Gleitrollen zu einem Brutto-Stückpreis von EUR 12,- noch erhältlich, z.B. bei CMSNL. Die vier Gleitstücke wurden von YAMAHA ausschließlich als Einheit mit der mit ihnen bestückten Druckplatte angeboten. Diese Einheit ist heute ebenso nicht mehr verfügbar wie der Variokorb mit den Gleitrollen-Laufbahnen. Hier hilft bei Defekten nur die Beschaffung eines noch guten Gebrauchtteiles.

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Bauteile-Übersicht Variomatik

Hier die Abbildungen einiger Variomatik-Bauteile des XC 180, zuerst der Variokorb:

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Die Variomatik-Einheit montiert (oben) ... (unten) geöffnet und gereinigt, ohne Gleitrollen, Gleitstücke und Klammern

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Im Detail: Der Variokorb mit Gleitrollen-Laufbahnen ... und mit eingesetzten Gleitrollen

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Gleitstück und Klammer

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Gleitstück und Klammer im Variokorb montiert

(Fortsetzung folgt)

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Die Variomatik-Bauteile des YAMAHA XC 180 Cygnus (2)

Beitragvon mopedfreund » 27.02.2015, 21:52

Die verschleißbehafteten Bauteile der Variomatik, wie Gleitstücke und Gleitrollen, haben folgende Abmessungen:

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Die Maße des Führungsstegs im Variokorb für das Gleitstück

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Das Gleitstück, auf die Druckplatte gesteckt

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Die Maße der Druckplatte am Ausschnitt für das Gleitstück

Wo sind solche Gleitstücke, die gerne aufgerieben werden und brechen, als Ersatz erhältlich? Bspw. kann Dr.Pulleys wegen der ungewöhnlichen Maße dieser Variomatikteile keinen Ersatz für den XC 180 liefern ...



Hier nun die Gleitrollen der Cygnus-Variomatik ...

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Die originalen Variogewichte bzw. Gleitrollen im XC 180, daneben ein Gleitstück

Die Originalmaße und Gewichte dieser originalen YAMAHA-Gleitrollen betragen ...

Durchmesser (Dm): 18 mm
Breite (B): 12 mm
Gewicht: 6,0 gr./Stück
Anzahl: 8 Stück je Variomatik


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Alternative Gleitrollen im Vergleich (v.l.n.r.): Originalteil, Malossi und LeoVince

Die abgebildete Malossi-Gleitrolle hat die Maße 17 mm (Dm) x 12,3 mm (B) und ist 5,5 gr. leicht. Mit ihrer Breite von 12,3 mm verklemmen sich diese Gleitrollen im Gleitkanal (Laufbahn) im Variokorb. Ich habe mir acht dieser Gleitrollen auf 12,0 mm Breite abdrehen lassen (nur Kunststoff abgetragen!) und sie in der Hannelore (Foto im 1. Beitrag) verbaut. Hannelore beschleunigt nun wegen des geringeren Rollengewichtes spürbar lebhafter los. Die Höchstgeschwindigkeit (> 100 km/h lt. Tacho) steigt geringfügig aufgrund der höheren Drehzahl - trotz (oder wegen?) einer etwas geringeren minimalen Riemenübersetzung wegen des kleineren Rollendurchmessers(!) - und wird auch merklich schneller erreicht. Es ist mit einer besseren Steigfähigkeit auf Bergstrecken zu rechnen. Das allgemeine Drehzahlniveau liegt akustisch vernehmlich über den bisherigen Werten mit den bislang verbauten LeoVince-Gleitrollen (17 x 12 / 6,3 gr./St.), voraussichtlich ebenso der Kraftstoffverbrauch. Hannelore wird sich damit wohl den Fahrleistungen von Horst annähern. Folgende Fahrtests sollen entsprechende Erkenntnisse bringen und die Annahmen bestätigen ...

Alternativ habe ich noch preiswerte, passende Motoforce-Gleitrollen gefunden mit den Maßen 17 x 12 (abdrehen unnötig!) und einem Gewicht von 5,8 gr./St. (näher am Gewicht der Originalteile), die ich jedoch qualitativ nicht so hoch einschätze wie die Original- oder Malossi-Gleitrollen. Ich werde diese Rollen später einmal in der Variomatik von Herbert testen ...

Die beweglichen Gleitrollen und Gleitstücke sollen gemäß den Angaben im YAMAHA-Werkstatthandbuch mit einem Molybdän-Fett eingestrichen und verbaut werden. Die in Hannelore verbauten LeoVince-Rollen wurden vom Vorbesitzer trocken eingesetzt. In einem Ersatzmotor habe ich die vorstehend abgebildete Variomatik mit einer vollständigen Fettfüllung im Variokorb vorgefunden. Was ist denn nun richtig?

(Fortsetzung folgt)

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Der Antriebsriemen für den YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon mopedfreund » 28.02.2015, 09:14

Der Antriebsriemen ist - wie schon erwähnt - seit geraumer Zeit bei YAMAHA wieder als Original-Ersatzteil erhältlich.

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Die YAMAHA-Artikelnummer lautet 25G-17641-10 ...

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Der Riemen kostet derzeit beim freundlichen YAMAHA-Händler um die Ecke wie auch bei CMSNL satte EUR 120,- brutto!

Wegen den außergewöhnlichen Abmessungen aller Cygnus-Variobauteile sind mir keine passende Riemen von Zubehör-Anbietern bekannt. Falls jemand eine Quelle für wertige Antriebsriemen eines Fremdfabrikates finden sollte, hier die Daten des Riemens mit der Bitte um eine Meldung per PN oder hier im Thread:

Ein (neuer!) Riemen für den XC 180 hat folgende Maße ...

Umfanglänge = 960 mm
Breite außen = 21,6 mm (lt. Werkstatthandbuch 22 mm, Verschleißgrenze 20 mm)
Breite innen = 17,5 mm
Höhe gesamt = 10,2 mm
90 "Zähne", ca. 3,5 mm tief

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Tipp: Ersatz für defekte Rückspiegel und Zuladung [kg]

Beitragvon mopedfreund » 28.02.2015, 21:05

Gebrauchte Spiegel für den in die Jahre gekommenen Cygnus sind rar und vergleichsweise teuer. Als preiswerten Ersatz für defekte Rückspiegel des XC 180 Cygnus (Bj. 1983) bieten sich gebrauchte Rückspiegel des XC 125 Beluga der Baujahre 1990 bis 1993 (in Deutschland Typ 3TE) an.

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Die Spiegel vom Beluga und vom Cygnus im Vergleich

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Unsere Hannelore (rechts) und ihr "kleiner Freund" (YAMAHA XC 125 Beluga, links) im Frühjahr 2014, startbereit für einen Kurzurlaub in der Eifel

Die Beluga-Spiegel haben das gleiche Design und das YAMAHA-typische Linksgewinde am rechten Spiegel, die Ausleger sind jedoch ca. 4 cm länger und die Spiegel damit auf jeder Seite 3 cm nach außen positioniert - wohl wegen des schmalen Lenkers des kleineren Belugas.

-> Wirkung: Der Cygnus wird mit den preiswerteren Beluga-Spiegeln etwas breiter (ca. 6 cm), die Spiegel zeigen bei identischem Design aber deutlich mehr Rückblick und weniger von den Fahreroberarmen! 8)

Eine Anmerkung zum Thema Zuladung [kg]: Die beiden vorstehend abgebildeten Motorroller gelten wegen ihres Alters (Beluga aktuell 22 Jahre, Cygnus 32 Jahre) und ihres "speziellen" Designs (Lästermäuler nennen es "Japan-Barock") im Vergleich zu "modernen" Scootern im heutigen Straßenverkehr als "Sonderlinge", sind tatsächlich aber sehr zuverlässige Alltagsbegleiter mit immer noch vollkommen ausreichenden Fahrleistungen (der kleine Beluga wegen seiner nur 9 PS hier mit einigen Abstrichen). Zur guten Alltagstauglichkeit tragen insbesondere die recht hohen möglichen Zuladungen dieser beiden YAMAHA-Youngtimer bei.

Welcher moderne Scooter, auch hubraumstarker Großroller, bietet denn aktuell noch eine mögliche Zuladung von 193 kg (beim Cygnus) oder sogar 199 kg (beim kleinen Lastenesel Beluga) und weist sich damit als ausreichend belastbares, reisetaugliches Langstreckengefährt aus? :?: Aktuelle Großroller-Modelle aus dem Hause Kymco bspw. bieten heute absolut unzureichende Zuladungen von 165 kg (Xciting 400i) oder 172 kg (Myroad 700i). Bei anderen Herstellern ist dies ganz ähnlich. Mit diesen Werten ist ein solcher "dicker Brummer" ggf. schon im Soziusbetrieb mit zwei "nackischen" Mitfahrern (deutsches Modellpaar "Hans und Herta") und ohne Gepäck geringfügig ( :?: :oops: ) überladen! :!:

"Früher" war zwar nicht alles besser, manches aber schon! :wink:

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Re: Technik-Tipps für den YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon Stadtlandroller » 01.03.2015, 10:23

Hallo mopedfreund,
wer mit den eigenen Händen manches an seinem Zweirad pflegt oder richtet, kann deinen Bericht nur toll finden.
Da dieses Forum kein „Bedanken“ oder „Bewerten“ Button hat, schreib ich halt einen kurzen Text. Du machst dir die Mühe :!: :!: Bericht und Fotos zu erstellen und da ist viel Freude am Hobby drin. Auch wenn ich kein Yamahafahrer bin, kann ich nur den Hut – äh Helm vor dir ziehen.
Eile mit Weile – Andreas.

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Werkstatthandbuch und technische Daten zum YAMAHA XC 180

Beitragvon mopedfreund » 01.03.2015, 12:57

Danke für das Lob!! :oops:

Weiter geht's mit diesen Informationen ...

Das originale YAMAHA Service Manual (Wartungsanleitung/Werkstatthandbuch) kann hier als PDF in einer zweisprachigen Version (engl./franz.) für Nordamerika heruntergeladen werden. 8) Leider ist dieses PDF nicht eBook-fähig (warum auch immer?)!

Das Inspektionsblatt des XC 180 hier als Bildgrafik ...

http://up.picr.de/21146025or.jpg

... wie auch die Technischen Daten und Füllmengen von der Rückseite des Inspektionsblattes.

http://up.picr.de/21146027iq.jpg

Zur Ergänzung dieser Daten folgt der vierseitige deutsche Verkaufsprospekt des XC 180 Cygnus mit Stand von 12/86:

http://up.picr.de/21146030fi.jpg

http://up.picr.de/21146033hf.jpg

http://up.picr.de/21146035zu.jpg

http://up.picr.de/21146037tm.jpg

Der Prospekt ist zwar alt und faltig, aber rar und deshalb schwer erhältlich. Im Prospekt ist der Cygnus auch in einer blauen Version abgebildet, in Deutschland gab es ihn aber nur in silber (s. Vermerk "Lieferbare Farbe: Silber").

Viel Spaß beim Schmökern oder beim Zusammensuchen von erforderlichen Schrauberdaten!

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Zuletzt geändert von mopedfreund am 02.03.2015, 08:48, insgesamt 2-mal geändert.

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Der YAMAHA XC 180 Cygnus im Film

Beitragvon mopedfreund » 01.03.2015, 13:44

Unsere Hannelore hat in Amerika einen Cousin namens Harald, der in LA wohnt und dort im Filmgeschäft tätig ist. Hier ein Bild vom "blauen Harald" in seinen jungen Jahren ...

http://up.picr.de/21146688fh.jpg

In fortgeschrittenem Alter ergatterte Harald seine letzte Hauptrolle in dem Film "Larry Crowne" neben Schauspielern wie Julia Roberts und Tom Hanks. [Kennt die hier jemand? :?: ] Tom Hanks spielt einen Warenhaus-Angestellten, der arbeitslos wird und von seinem dicken Auto auf einen Scooter (Harald eben!) umsteigt ... eine typisch amerikanische Romantik-Komödie! Julia Roberts, Harald und die zahlreichen Scooter in Nebenrollen machen das Anschauen lohnenswert. 8)

Tom Hanks Meinung zu Harald nach seiner ersten, jedoch sehr kurzen Probefahrt [Zitat aus dem Film]: "Das Teil hat Power!" :!: :wink:

Hier der Trailer zum Film. Viel Spaß beim Anschauen!

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Links zum YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon mopedfreund » 02.03.2015, 18:52

Zur Vervollständigung der Technik-Tipps hier einige interessante Links zum XC 180 Cygnus:

- MotorScooterGuide.net: Die Historie des Cygnus (alias YAMAHA Riva 180) in Nordamerika

- MotorScooterGuide.net: Download-PDF des YAMAHA Service Manual

- Zwotakt.de: Bilder und Infos zu einem Cygnus in einer Berliner Roller-Sammlung (Dieses Fahrzeug wird zur Zeit zum Verkauf angeboten!)

- Zwotakt.de: Literatur zum Cygnus

- JacksScooterShop.com: YAMAHA Scooter Information Center -> Zahlreiche Informationen vor allem zum Riva 180 mit Prospekten, Infos zu den Ventilator- und Startproblemen, Lagepläne der Vergaserschläuche, Beschreibung des Motorausbaus, u.v.m.

- JacksScooterShop.com: Tabelle mit den periodischen Wartungsintervallen des Riva 180

- Youtube.de: Karl Baumanns Umbau auf 200 ccm, Einspritzung und Doppelschwinge vorne

- GeorgesPayne.com: Beschreibung eines (unvollendeten?) Riva 180-Umbaus auf elektronische Benzin-Einspritzung

- Youtube.de: Kleines Filmchen des Vorbesitzers rund um unsere Hannelore


Soll einer noch sagen, zum ollen Cygnus gäbe es keinerlei Informationen im Netz! :)

Viel Spaß beim Schmökern!

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Re: Technik-Tipps für den YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon noel59 » 02.03.2015, 21:11

Hallo Ralf,
das ist ja sehr Ausführlich,mit dem was du da zusammengetragen hast, :arrow: Hut ab :wink:
Grüße vom Niederrhein
Noel (Arno)

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Navi- und Reserverad-Halter für den XC 180 Cygnus

Beitragvon mopedfreund » 03.03.2015, 16:44

Moin Arno,
das ist ja noch nicht alles, das eine oder andere fehlt noch und soll nachstehend ergänzt werden ...

Mein Horst (Sorry, aber ich kann die Dinger nur per Namensgebung benennen und auseinander halten!) wurde im Sommer 2014 für eine Urlaubsreise gemeinsam mit Hannelore (die gehört meiner Frau!) auf eigenen Rädern hinunter an den Gardasee als "Führungsfahrzeug" vorbereitet.

Hier ist Horst als Teil unseres damaligen "Rat-Packs" noch vor seinem Umbau zwischen Herbert (links, bislang ohne Zulassung) und Hannelore (rechts) zu sehen ...

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Eine erste Überlegung zielte auf die zu erwartende Fahrtstrecke von ca. 2.500 km auf kleinen 10"-Rädern hin. Blechvespas besitzen ein optionales Reserverad, der XC 180 Cygnus dagegen nicht. Der Cygnus hat zwar identische Felgen mit einer Drei-Schrauben-Befestigung, jedoch vorne (3.50-10) und hinten (4.00-10) unterschiedliche Reifen. Der baugleiche YAMAHA Riva 180 für den nordamerikanischen Markt hat dagegen auf beiden Rädern Reifen der Größe 3.50-10 aufgezogen. Im Falle eines Reifenschadens während einer alpinen Passüberquerung hilft dann auch ein Ersatzrad mit 3.50-10er Reifen sicherlich weiter. Die Felge eines Unfallfahrzeugs wurde deshalb mit einem neuen "schmalen" Reifen und Schlauch versehen und eine innere Ersatz-Beinschildverkleidung ohne Handschuhfachdeckel handwerklich mit Stichsäge und Bohrmaschine bearbeitet. Das Ergebnis sah dann unter Verwendung von Stuhlwinkeln und Blindnieten so aus ...

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Reserveradhalter aus Stuhlwinkeln ...

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... und mit montiertem Reserverad, das wir während unserer Urlaubsreise dann natürlich nicht benötigten (eben weil wir es dabei hatten!)

Das Bremspedal ist trotz des montierten Reserverads noch gut zu erreichen, auch wenn es recht eng wirkt zwischen Pedal und Reifen. Ein auf die Befestigungsschrauben aufgesteckter horizontaler Lochblechstreifen verhindert, dass in dem nun deckellosen, offenen Handschuhfach gelegte Trinkflaschen, Handschuhe oder Straßenkarten während der Fahrt verloren gehen.

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Vergleich zwischen Hannelore (vorne) und Horst, hier mit montiertem Windschild, am Ende der langen Urlaubsfahrt

Für das notwendige Navi, ein NavGear SLX 350 von Pearl, wurde der mitgelieferte Halter über einen abgesägten Stuhlwinkel (Blechstreifen, s. Pfeil!) weitgehendst vibrationsfrei an der linken Spiegelaufnahme verschraubt. Das Navi befindet sich dadurch gut geschützt hinterm originalen YAMAHA-Windschild und - für den Fahrer bestens sichtbar - direkt links neben der Armaturentafel ...

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Als i-Tüpfelchen auf den Horst bekam ich später zu meinem Geburtstag eine farblich passende Classic-Hecktasche geschenkt. Diese ist zwar qualitätiv nicht gerade herausragend verarbeitet, sieht aber am Horst-Heck toll aus, oder? :wink:

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(Fortsetzung folgt)

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Re: Technik-Tipps für den YAMAHA XC 180 Cygnus

Beitragvon noel59 » 03.03.2015, 21:00

Na, den haste aber richtig Schick rausgeputzt :!:

Überhaupt machen alle einen guten Eindruck :!:

Lob dafür :)
Grüße vom Niederrhein
Noel (Arno)


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