Kaltstartventil

Erfahrungsaustausch und Support
Mike

Kaltstartventil

Beitrag von Mike » 21.04.2006, 13:15

Das Kaltstartventil hat bei meinem Otello ein recht merkwürdiges Verhalten.

Die Funktion des Ventils besteht darin, beim Starten des Motors im kalten Zustand, einen zusätzlichen Gemischkanal im Vergaser zu öffnen und somit das Gesamtgemisch für die Kaltlaufphase "anzureichern". Der "kalte" Motor nimmt dadurch besser Gas an und läuft runder.

Dieser Gemischkanal wird nach meiner Erfahrung bei einer Aussentemperatur <12°C und unzureichender Motortemperatur (Kurzstrecke) nicht vollständig geschlossen und sorgt deswegen für zu hohes Standgas, zu fettes Gemische und deutlich höherem Benzinverbrauch.

Das Ventil ist temperaturgesteuert (Bimetall) und der elektrische Anschluss des Ventils dient lediglich dazu, das Ventil unterstützend aufzuwärmen (Heizdraht) und damit den zusätzlichen Gemischkanal zu schliessen.

Da für mich die Automatik des Ventils völlig unzureichend reagiert, suche ich nach einer Möglichkeit, einen manuell bedienbaren "Choke" nachzurüsten. Das gibts für andere Roller im Zubehörhandel aber mal wieder nicht für den Otello und der Mikuni Vergaser im Otello scheint auch wieder eine koreanische Sonderanfertigung zu sein.

gorstab
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Beitrag von gorstab » 21.04.2006, 13:52

Das Kaltstartventil wird elektrisch beheizt. Diese Heizung ist nicht einfach eine Unterstützung, sondern ist notwendig.

Falls die elektrische Versorgung nicht klappt, bleibt das Kaltstartentil immer zu kühl und das Gemisch ist zu fett, weil das Ventil weit weg von der Motorwärme sitzt und niemals den Pfropfen ausfährt!

Hast du das Ventil schonmal gecheckt, ob es ausfährt? Es reicht ein einfaches Steckernetzteil mit 9-12 V, und nach 2 min muss das Ventil ganz ausgefahren sein! Falls nicht, prüfe mal den Widerstand, es sollten ca. 20 Ohm sein.

Wenn das funktioniert, musst du nur mal schauen, ob es im Roller beim Betrieb mit Strom versorgt wird. Es ist eine einfache Abzweigung von der Lichtmaschine, und es kommt Wechselstrom raus - wenn der Motor läuft.

Schön zu sehen am Schaltplan.

Gruß,

Gorstab

Mike

Beitrag von Mike » 22.04.2006, 00:28

Das Ventil hatte ich bisher noch nicht ausgebaut. Ich habe es nur mal abgeklemmt und bin dann ein paar Tage gefahren und habe keinen Unterschied bemerkt.

Bei kälteren Temperaturen hat der Motor fast doppelt so hohes Standgas als er eigentlich haben sollte. Bei ca. 12° Aussentemperatur braucht der Motor mindestens ne halbe Stunde bis sich die Standgasdrehzahl normalisiert.

Das Ventil scheint also grundsätzlich zu funktionieren, nur ab einer gewissen (Aussen-)Temperatur wohl nicht mehr ausreichend. Deswegen auch mein naheliegender Verdacht, dass der Motor im Winter garnicht erst auf Betriebstemparatur kommt. Ok anderes Thema, anderer Thread.

Ich war eigentlich der Ansicht, dass die Motorwärme das Ventil massgeblich beeinflusst.

@ Gorstab. Vielen Dank für die Info, Du scheinst Dich ja recht ausgiebig mit dem Thema befasst zu haben. Bei meiner geplanten Bastelstunde nächste Woche werde ich das Ventil mal ausbauen und durchmessen. Vielleicht ist es ja auch nur schwergängig und schliesst den Kanal erst bei zu hoher Temperatur. Ich werde den Gemischkanal auch mal komplett dicht machen um zu sehen, ob es dann immer noch diese Schwankungen bei der Leerlaufdrehzahl gibt.

Aber allein die Ungewissheit, wann das Ventil schliesst und ob es auch richtig schliesst, ist für mich Ansporn die Sache doch auf manuellen Betrieb ümrüsten zu wollen. Dann kann ich den (Choke-) Gemischkanal bei Bedarf öffnen, und wenn ich ihn geschlossen habe ist er auch wirklich zu.

Ich hatte mal einen Alfa Romeo mit manuellem Choke. Bei dem habe ich den Choke fast nur im Winter gebraucht und konnte ihn nach ein paar hundert Metern Fahrstrecke wieder ausschalten.

Gruß
Mike

gorstab
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Beitrag von gorstab » 22.04.2006, 23:16

Bei mir war's ein Kabelbruch, der das Kaltstartventil ausser Gefecht gesetzt hatte. Das Ventil war immer offen; bei kalten Aussentemperaturen weiter als bei warmen.

Der Verschlußpfropfen ist bei ca. 20°C 2,5 mm von der Chokebohrung weg und gibt eigentlich nicht viel Öffnung frei, der Querschnitt ist noch fast zu. Bei tiefem Frost (Gefrierschranktest) ist die Chokeöffnung 4,5 mm offen.
Anscheinend ist dann mit ca. 60° der Kolben soweit ausgefahren, dass die Chokedüse geschlossen ist.

Jetzt stelle ich mir vor, dass die 60° ohne Hilfe der elektrischen Heizung fast nicht erreicht werden können. Da braucht es schon einiges an Strahlungswärme, und wenn man fährt, kühlt die Frischluft.

Bevor du auf Handchoke umstellst, probiere wirklich mal aus, ob elektrisch alles ok ist; da brauchst du nur abstecken. Messe am Stecker die 20 Ohm des Kaltstartventils; und auf der Zuleiung bei laufendem (!)Motor das Vorhandensein von Wechselspannung.

Wenn du das Chokeventil ausbauen willst - die Schraube geht üblicherweise schwer auf, ich denke die ist mit Loctite gesichert oder sonstwie angeknallt.

Mike

Beitrag von Mike » 23.04.2006, 11:23

Genau das ist es : Strahlungswärme vom Motor und kühlender Fahrtwind.

Wenn ich während der Fahrt bei kühleren Temparaturen anhalte und der Motor hat schon einigermassen Betriebstemperatur, den Roller dann ein paar Minuten stehen lasse, hat der Motor dann plötzlich normales Standgas. Wenn ich dann weiterfahre ist das Standgas nach kurzer Zeit wieder zu hoch.

Lässt sich der Kolben aus dem Ventil ganz herausziehen ? Dann könnte man ihn ggf. verlängern damit der Gemischkanal früher und vor allem vollständig geschlossen wird ?

gorstab
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Beitrag von gorstab » 23.04.2006, 13:56

Ja, der Kolben lässt sich herausziehen. Und der Stöpsel ist federunterstützt, damit ausgeglichen wird, wenn das Bimetall den Kolben zu weit rausdrückt.

Also ich sage, mit Elektrik macht das Ventil die Bewegungen selber, wenn auch nicht ganz optimal. Aber doch besser als ganz ohne Strom.

Wenn das Timing nicht ganz passt, kannst du zB. etwas unterlegen; dann macht das Ventil weiter auf und der Kaltstart wird besser.

Oder du baust ein Poti ein, dann kannst du sogar die Zeitdauer beeinflussen.

Mike

Beitrag von Mike » 25.04.2006, 07:29

gorstab hat geschrieben: Wenn das Timing nicht ganz passt, kannst du zB. etwas unterlegen; dann macht das Ventil weiter auf und der Kaltstart wird besser.
Ich habe ja keine Kaltstartprobleme in Richtung Startschwierigkeiten und unrunder Lauf beim Kaltstart. Mein Ventil meint es zu gut und füttert den Motor viel zu lang mit fettem Gemisch.

Das Funktionsprinzip dieses Ventils sollte besser umgekehrt funktionieren. Sprich : Erst beim Anlegen der Spannung (Zündung einschalten) öffnet sich das Ventil und schliesst sich erst dann langsam wieder mit (elektrisch unterstützter) Bi-Metall Steuerung.

Dann wäre jedenfalls ausgeschlossen, dass man beim Ausfall der elektrischen Funktion des Ventils, ständig unbemerkt mit 'angezogenen Choke' durch die Gegend fährt.

Also, ich hab das Teil jetzt auch mal ausgebaut und durchgemessen. Im Kabelschuh/Anschluss war kein Widerstand messbar. Im Gerät selbst, am Kabelfuss sind es bei mir genau 21,6 Ohm. Offensichtlich auch ein Kabelbruch (siehe 'wurschtiges Aussehen der Kabel am Ende im Gehäuse). Mit externer Stromquelle habe ich ich das Ding nocht nicht weiter getestet und vertraue da auf Gorstabs Erfahrungsberichte.

Beim Ausbau des Ventils habe ich weiterhin festgestellt, dass die Airbox nur noch mit einer Schraube befestigt ist, dadurch ist sie wackelig und es kann ggf. Fremdluft in den Ansaugtrakt gelangen, die auch wiederum die Leerlaufdrehzahl beeinflussen kann. Wo sind eigentlich die anderen Befestigungsschrauben abgeblieben ? Wieder mal ein typischer Fall von Mehrfach-Fehlern, die eine zuverlässige Fehlerdiagnose sehr oft erschweren.

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gorstab
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Beitrag von gorstab » 25.04.2006, 08:23

Das Ventil sollte in Ordnung sein. 20 Ohm hat auch mein Ventil. Kein Kabelbruch!
Wenn du 12 V anlegst, wandert der Stössel soweit nach vorne, bis die breite weisse Basis vom Stößel ungefähr bündig ist mit dem Ende des schwarzen Plastikteils. Dann ist der Stössel ausgefahren und verschließt die Chokebohrung. Die Federunterstützung vom Stoppel mit der Nadel dient nur als Längenausgleich, weil sich sonst irgendwann was verbiegen würde.

Wenn du startest, wird dann das Ventil mit Strom versorgt. Nicht von der Batterie, sondern mit Wechselspannung vom Generator. Kannst du auch erfühlen; wenn du startest, und den Motor laufen lässt, wird das Ventil nach ca. 2 min so warm, dass man es fast nicht mehr angreifen kann - ich schätze ca. 60°, obwohl ja der Motor noch kalt ist.

Wenn das alles zutrifft, kannst du dir sicher sein, dass der Choke funktioniert. Brauchst nicht auf manuell umrüsten.

Eventuell musst du dann an anderer Stelle suchen; es gibt dann noch die Gemischeinstellschraube, die man justieren kann. 3,5 Umdrehungen vom eingeschraubten Zustand wieder zurück rausdrehen. Aber beim Einschrauben vorsichtig sein, nicht mit Gewalt, 2 Finger reichen, sonst verletzt du die Basis! Dort wo der Motor am Besten läuft (höchste Standgasdrehzahl), ist auch die richtige Einstellung.

Sonst kann man am Vergaser nichts mehr einstellen, dann kann man nur mehr Düsen wechseln...

Viel erfolg!

Gorstab

Mike

Beitrag von Mike » 25.04.2006, 11:48

Das Ventil ist in Ordnung, aber di Kabel waren es nicht. Ich habe ja geschrieben, dass am Stecker kein Widerstand messbar ist, sondern nur im Ventil selbst. Beim anlegen von 12 V 500mA hat sich nix getan. Erst als ich die Kabel oberhalb der verdächtigen Stellen abgeschnitten und neu dran gelötet habe, War der Widerstand im Stecker messbar und beim Anlegen der Spannung wurde es warm.

Ich schätzte die Temparatur auf ca. 50°C als das Ventil bereits voll ausgefahren war.

Ich habe mal Bilder gemacht vom Start bei Raumtemperatur und nach einigen Minuten unter Strom. Den Schatten der Ventilspitze habe ich beim Start auf dem unterliegenden Papier mit einem senkrechten Strich versehen.

Bild
Bild

Jetzt geh ich erstmal Schrauben für die Befestigung der Airbox kaufen. Ich schätze, die Vibrationen vom lockeren Luftfilter haben sich auch auf den Vergaser und das Ventil übertragen und damit die Kabel abgerüttelt.

gorstab
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Beitrag von gorstab » 25.04.2006, 13:40

War dann wohl ein kleines Missverständnis - es war nicht "kein" Widerstand, sondern "unendlich" 8)

Aber wenn es jetzt klappt - gratuliere!

Musst halt beim Einbau den Stecker so drehen, dass das Kabel locker hängt und nicht unter irgendeiner Zuglast ist; dann solte die Lötverbindung wohl halten!

Gorstab

Mike

Beitrag von Mike » 26.04.2006, 14:04

Mit "kein Widerstand" meinte ich natürlich : keinen Ausschlag an meinem analogen Messgerät. Ein Supraleiter mit (fast) Keinen Widerstand ist wohl in dem Teil nicht zu finden.:?

Also das Ventil scheint jetzt seine Dienste auch im Roller wieder ordnungsgemäss zu verrichten und ich geb ihm noch einmal 'ne Chance.

Rollmops

Beitrag von Rollmops » 28.04.2006, 06:13

Bis jetzt dachte ich immer nur was ihr da nur für Probleme mir eurem Roller habt. So etwas gibts bei mir nicht.
Am Dienstag dann der Schock! Hohes, unrundes Standgas nach 10 Km!

Ich habe mir angewöhnt, den Roller morgens aus der Garage zu holen, ihn zu starten und dann erst Nierengurt, Helm und Handschuhe anzuziehen. In dieser Zeit kann der Motor ein wenig mit erhöhter Drehzahl laufen. Dann fahre ich überland ca. 15Km in die Arbeit, mit nur 3 Kreuzungen, ohne Ampeln. Also fast ohne anhalten zu müssen mit einigen Vollgasstrecken dabei. Genug Zeit für den Motor, so richtig auf Betriebstemperatur zu kommen.

Am Dienstag war es morgens nicht besonders warm, und an der 2.ten Kreuzung war ein kleiner Stau. Da bemerkte ich, dass auch bei meinem Otello das Standgas nach ca. 10Km noch sehr hoch und vor allem auch sehr unruhig war. Absolut nervig diese Sache.
Nur gut, das ich ja ein "Schönwetter-Saisonkennzeichen-Fahrer" bin. Da kommt dieses Phänomän bei mir nur selten vor.

Da hätten die sich bei Daelim wirklich etwas besseres einfallen lassen können.

Kann man da nicht einfach einen anderen Vergaser mit manuellem Choke einsetzen?

gorstab
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Beitrag von gorstab » 28.04.2006, 07:20

Ich würde mir nicht gleich einen anderen Vergaser wünschen; wenn dan den vorhandenen gut eingestellt hat, tut's der auch.

Also wie bei Mike - schau' einmal, ob das Kaltstartventil arbeitet - normalerweise reicht es, wenn man drauf greift und es hat nach 2 min. ca. 50-60°, also es ist so warm, dass man es gerade noch angreifen kann.

Wenn das sichergestellt ist, gehört das Standgas eingestellt - ist ein einfaches Handrad, gleich neben dem Kaltstartventil.

Und zum Schluß noch die Gemischeinstellschraube 3,5 Umdrehungen von der Endlage wieder rausdrehen (Endlage aber vorsichtig antasten, nicht mit Gewalt reinschrauben). Solange, bis der Motor am Besten läuft.
Die Schraube erreicht man am Besten, wenn man das Helmfach heraussen hat.

Danach evtl. nochmal das Standgas korrigieren; fertig.

Rollmops

Beitrag von Rollmops » 20.05.2006, 18:56

:evil: K A B E L B R U C H !!! :evil:

Jetz war's bei mir also auch soweit.
Vor ein paar Tagen wollte das Standgas auch nach einer längeren Strecke bei ca. 20° nicht mehr auf die normale, niedrige Drehzahl zurück. Also Kaltstartventil ausgebaut und durchgemessen. Das grün-schwarze Kabel hatte nach der Durchgangsprüfung eben diesen nicht mehr.

Heute habe ich mich dann dran gemacht, nach der o.g. Anleitung den Test mit dem Netzteil durchzuführen => keine Reaktion.
Ich habe also das Kabel direkt an der Kabelklemme abgeschnitten. Dann konnte ich die einzelnen Kupferdrähte des Kabels einfach aus der Ummantellung rausziehen. Die abgebrochnen Drähte waren ca. 4cm lang. Nachdem ich das Kabel wieder angelötet hatte, zeigte der Test mit dem Netzteil sofortigen Erfolg!
Jetzt regelt das Kaltstartventil wieder einwandfrei, und nach kurzer Zeit läuft der Motor ganz rund mit einer niegiegen Drehzahl. :lol:

jodahush

Beitrag von jodahush » 13.04.2007, 17:25

Hallo,
ich wurschtele immer noch wegen meinen Verbrauchswerten. Musste natuerlich auch der Kaltstarter untersucht werden.
Elektrisch ist alles ok - Standgas ist auch immer ok. Also daran kanns nicht liegen.
Aber ich habe gelesen das die Gemischschraube so eingestellt werden soll, bis die Drehzahl am hoechsten ist; in Mikes toDO stand aber drehen bis kurz vorm Ausgehen u. dann 1/2 Umdrehung zurueck. Was ist denn nun richtig`?

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